Sehr geehrter Herr Chefredakteur
Sehr geehrter Herr Intendant
Sehr geehrter Herr Redaktionsleiter „ZDF Reporter“
wir beziehen uns auf eine Berichterstattung Ihres Magazins „ZDF Reporter“ vom 23. April 2009 sowie die Ausstrahlung in „Hallo Deutschland“ am 27. April 2009.
Der emeritierte Professor Dr. Jürgen Frölich, Hannover, hat mit seinen Behauptungen in den o.g. Sendungen viele Menschen verunsichert. Denn die vom ihm behauptete Wechselwirkung zwischen den beiden Wirkstoffen Metoprolol und Ranitidin tritt nachweislich nicht auf. Dabei wären die korrekten Informationen leicht verfügbar gewesen. Allerdings hätte man dafür mind. eine zweite Meinung einholen müssen. Es ist bedauerlich, dass dies offenbar nicht geschehen ist, weil viele Menschen den Informationen eines Nachrichtenmagazins vertrauen (sollen). Und es ist unverantwortlich, wenn mit solchen Falschinformationen Patienten verunsichert werden und deren Vertrauen in die Apotheke zerstört wird.
Vor diesem Hintergrund erwarten wir zumindest, dass diese Informationen zeitnah richtig gestellt werden und beispielsweise nicht mehr in den ZDF-Onlineauftritten zu finden sind. Wir gehen davon aus, dass Sie von einer weiteren Verwendung dieser Falschinformationen absehen.
Professor Frölich bemängelte auf der Basis seiner falschen Behauptungen nicht nur die fehlenden Hinweise der Apotheker, sondern sogar das Arzneimittel-Informationssystem der Apotheken, das die vermeintliche Wechselwirkung nicht angezeigt habe. Nicht erwähnt wurde, dass die Testkäufe bereits 2008 durchgeführt und dem NDR angeboten wurden. Dieser hatte seinerzeit angesichts der falschen Behauptungen und nach einem Gespräch mit der zuständigen Landesapothekerkammer auf die Veröffentlichung verzichtet. Im aktuellen ZDF-Beitrag wurde keine Stellungnahme einer Apothekerkammer gezeigt; es gab anscheinend auch keine Anfragen, weder bei einer der Apotheker-Organisationen, noch bei einer Pressestelle, noch bei der Arzneimittelkommission der Apothekerschaft oder bei den regionalen Kontrollinstanzen.
Um Missverständnissen ausdrücklich vorzubeugen: Es ist wichtig und richtig, Apotheken und ihre Teams fair zu testen und mit den Ergebnissen zu konfrontieren; egal ob diese Resultate gut oder schlecht sind. Das steht Ihnen zu und auch den Verbrauchern. Da, wo Fehler gemacht werden, muss der Finger in die Wunde gelegt werden. Das ist, auch wenn schmerzhaft, ganz im Sinne einer funktionierenden Arzneimittelversorgung. Aber gerade bei solch sensiblen Tests muss mit großer Sorgfalt gearbeitet werden; nicht nur zur Wahrung der Rechte des Apothekers, sondern auch um eine Verunsicherung der Patienten auszuschließen. Da unterscheidet sich die Sorgfaltspflicht in der einzelnen Apotheke nicht von der des Redakteurs oder der Redaktion.
Jenseits der Sorgfaltspflicht: Warum der Einstieg in den Beitrag damit beginnen muss, die „hohen Apothekenpreise“ würden unsererseits mit der Beratung des Patienten begründet, erschließt sich uns nicht. Es gibt, jenseits aller Klischees um Apothekenpreise, seit 2004 nur noch ein Fixhonorar für rezeptpflichtige Arzneien; Preise und Volumen der Selbstmedikation erodieren überdies. Und: „FRONTAL 21“ machte zwei Tage zuvor die Hersteller (und nicht die Apotheken) für diese vermeintlich hohen Preise verantwortlich.
Im Beitrag waren weitere Dissonanzen: So wurde behauptet, das Migränemittel Formigran® sei in Drogerien erhältlich. Das ist falsch. Und, anders als von Professor Frölich dargestellt, sind nicht 8.000, sondern nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte rund 60.000 Medikamente in unterschiedlichsten Darreichungsformen in Deutschland verkehrsfähig. Und es gibt nicht 19.000, sondern 21.570 Apotheken.
An dieser Stelle auf das persönliche Interesse des Professor Frölich im Umfeld des Marktes der Arzneimittel-Informationssysteme einzugehen, würde zu weit führen.
Viele Apothekerinnen und Apotheker fühlen sich von diesem Beitrag verunglimpft; eben weil die wesentlichen Informationen falsch sind. Mindestens ebenso problematisch aber ist die Panikmache gegenüber Patienten und Apothekenkunden.
In jedem Fall stehen wir Ihnen und Ihren Redaktionen immer und gerne für einen jederzeit offenen und fairen Diskurs zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz-Günter Wolf
Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
Dr. Ulrich Krötsch
Bundesapothekerkammer
Fritz Becker
Deutscher Apothekerverband e.V.